© Liljia Bairamova

Volle Kraft voraus!

Lilija Bairamova ist eine echte Powerfrau! Sie ist Mutter, "Ersatzmutter" und Gründerin von Orbasics. In ihrem Onlineshop bietet sie nachhaltige und gut kombinierbare Unisex-Klamotten für Kinder an, hergestellt aus hochwertiger Bio-Baumwolle nach ethischen Grundsätzen.

Kindermode von Orbasics, Fotoshooting // HIMBEER
Kinderkleidung von Orbasics: Schlicht und bequem. © Lilija Bairamova

Als ich fünf Minuten vor der verabredeten Zeit im Coworking Space ankomme, wo Orbasics-Gründerin Lilija ihr Büro hat, erwartet sie mich bereits. Lilija hat eine akkurat geschnittene Bobbykopf-Frisur und trägt ein schlichtes schwarzes Kleid. Getränke sind vorbereitet, ein paar ausgewählte Kleidungsstücke ihrer ersten Kollektion liegen bereit. Der erste Eindruck: durchgestylt und organisiert.

„Mütter arbeiten einfach viel effizienter“

Lilija ist überzeugt: „Wenn sie in Teilzeit arbeiten, müssen sie oft in viel kürzerer Zeit dasselbe Pensum schaffen wie ihre Vollzeit-Kollegen. Die Arbeitswelt, in der wir leben, ist einfach nicht zeitgemäß. Nine-to-Five ist noch immer die Regel. Geht eine Mutter schon um 15:00 Uhr, erntet sie oftmals neidische Blicke von ihren Kollegen. Dass sie vielleicht viel früher im Büro gewesen ist und keine Pausen macht, nimmt niemand war.“ Diese Gedanken gingen Lilija durch den Kopf, als sie selbst Mutter wurde und hätten sie dazu bewogen, selbst zu gründen.

Kindermode Orbasics Gründerin Lilija Bairamova // HIMBEER
Der Orbasics-Stil: Einfache Schnitte und weiche Stoffe. © Lilija Bairamova

Als Frau eine Firma zu gründen sei sehr schwierig gewesen, habe allerdings den einen großen Vorteil: Lilija kann jetzt selbst über die Zeit, in der sie arbeitet, bestimmen. Sie lächelt. Im Endeffekt arbeitet sie jetzt mehr als im Angestelltenverhältnis, allerdings ist sie dabei zu 100 Prozent flexibel. Und diese Flexibilität braucht sie für ihre inzwischen vierjährige Tochter Nika, die übrigens auch Muse für Lilijas Selbstständigkeit war.

Für Nika war Lilija ständig auf der Suche nach unifarbener Kinderkleidung, die sich gut kombinieren lässt, von hoher Qualität und am besten noch nachhaltig und günstig ist. „Simple Basics für Kinder zu finden ist gar nicht so einfach: Entweder findet man sehr schöne, aber super-teure Kinderkleidung oder günstige Klamotten von Großkonzernen, die bekanntermaßen die Umwelt verschmutzen“, schildert Lilija ihr Dilemma.

Lilija Bairamova von Orbasics bei der Produktion // HIMBEER
Die Produktion erfolgt in Portugal. © Lilija Bairamova

Also machte sie sich selbst daran, die für sie ideale Kleidung für Kinder zu entwerfen, zu produzieren und zu vermarkten. Die erste Kollektion ihres Modelabels umfasst Hosen, Leggings, T-Shirts, Tanktops und Longsleeves in verschiedenen Farben. Bei der Herstellung der Produkte aus 100 % Bio-Baumwolle arbeitet die Gründerin ausschließlich mit Herstellern zusammen, die nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert sind.

So wird sichergestellt, dass alle Elemente der Lieferkette strengste Bio- und Ethikstandards erfüllen. Um lange, umweltschädliche Transportwege zu vermeiden, wird Orbasics in Europa hergestellt. „Meine Mode ist von höchster Qualität, doppelt zertifiziert, nachhaltig und günstig“, erklärt sie. Wie das geht? Orbasics wird ausschließlich online vertrieben. „Durch den Direktvertrieb an den Endkonsumenten spart man die ganzen Zwischenhändler. So kommt der kleine Preis zustande“, erklärt sie.

Lilija Bairamova, Gründerin von Orbasics // HIMBEER
Orbasics-Mode entspricht dem Global Organic Textile Standard. © Lilija Bairamova

Der Erfolg der ersten Monate im Geschäft spricht für sich. Besonders freut sich Lilija über die vielen Rückmeldungen: Die Kleidung sei so bequem und gemütlich, dass Kinder sie gar nicht mehr ausziehen wollten. Sie konzipiert die Größen normal bis groß und hatte bisher eine einzige Rücksendung. „Dadurch, dass die Kleidung unisex ist und das Garn nicht von Chemikalien angegriffen wird, verziehen sich die Teile nicht beim Waschen und sind extrem langlebig ­– ideal zum Vererben an die kleinere Schwester oder den kleinen Bruder.“

Dass Kindern immer noch Farben aufgrund ihres Geschlechts zugeordnet werden, unterstützt von der Hollywood-Zeichentrickfilmindustrie, nervt sie. „Auch meine Tochter mag rosa Kleidchen, manchmal. Gleichzeitig liebt sie ihr schlichtes schwarzes Kleid. Dann ist sie ganz die Mama: Ich liebe Basics!“

Basics sind zeitlos, deshalb nachhaltig, und haben einfach Stil.

Das ist auch der Grund dafür, dass sie so viel Wert auf die Farbauswahl gelegt habe. Sieben Farben hat sie in langen drei Monaten ausgewählt. „Es ist mit enorm wichtig, dass die Farben zueinander passen und sich wirklich jede Farbe mit einer anderen kombinieren lässt.“ Egal, was man aus dem Kleiderschrank zieht­ – so ist die Idee – es passt automatisch zusammen und taugt für den Spielplatz genauso gut wie für den Geburtstagsbrunch bei den Großeltern.

Mit einem Preis von unter 30 Euro pro Kleidungsstück liegt sie im unteren Preissegment, den eigentlich nur Großkonzerne anbieten können. Als kleines Start-up-Unternehmen hat sich Lilijana am Anfang doch ein wenig übernommen. „Die Kosten steigen mir gerade über den Kopf“, gesteht sie. „Ich muss die Preise leider ein wenig anheben.“

Mitte November werden die Preise um 30% bis 40% erhöht. Wer die Stoffe einmal anfassen möchte, um sich selbst von der Qualität zu überzeugen, der hat am 28. Oktober 2018 Gelegenheit dazu. Dann wird Lilija auf der Kids Fall Fashion Fair ihre Mode im Wunderhaus in Berlin-Prenzlauer Berg präsentieren.

 

Lilija Bairamova, Gründerin von Orbasics Kindermode // HIMBEER
© Lilija Bairamova