© Setanta Berlin GAA

Sport mal anders: Gaelic Games in Berlin

Der Verein Setanta Berlin GAA bringt gälischen Sport unter die Leute: Bei wöchentlichem Training und familienfreundlichen Veranstaltungen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene Hurling, Camogie und Gaelic Football lernen – und so an der irischen Kultur teilhaben.

Sport ist mehr als bloße Bewegung und Ausdauer: Als wichtiger Bestandteil kultureller Tradition bringt er Menschen zusammen, versprüht Begeisterung, macht aus Unbekannten ein Team. Beim gemeinsamen Spiel lernen wir, miteinander zu kommunizieren, blitzschnell strategische Entscheidungen zu treffen, auf ein geteiltes Ziel hinzuarbeiten.

Dabei muss es nicht immer Fußball, Tennis oder Reiten sein … Mit einer Vielzahl an extremen, kuriosen, hippen oder zumindest außergewöhnlichen Sportarten aus aller Welt hält Berlin ein breites Angebot für seine (großen und kleinen) Bewohner und Gäste bereit.

Gaelic Games in Berlin: Junge spielt Hurling // HIMBEER
Ball fixieren, weit ausholen – und los! © David Saturra

Ob nun für eure Kinder oder euch selbst – oder gleich für die ganze Familie: Wie wäre es mit einem aufregenden „neuen“ Sport, bei dem ihr euch in Geschicklichkeit, Kondition und Teamwork übt, euer Englisch aufpoliert – und, last but not least, kulturelle Gepflogenheiten Irlands kennenlernt?

Gälischer Sport für alle: Setanta Berlin GAA

Die Volkssportarten Irlands, auch als Gaelic Games bezeichnet, sind auf dem europäischen Festland nicht sehr bekannt – hierzulande kennen wenige auch nur ihre Namen. Das wollten ein paar irischstämmige Berliner ändern. Um die gälische (Sport-)Kultur mit ihren Mitmenschen zu teilen und fernab der Insel fortleben zu lassen, gründeten sie einen Verein: Setanta Berlin GAA (oder, ganz offiziell: Setanta Berlin Gaelic Club e.V.).

Einige Jahre liegt das nun zurück – und Setanta ist seitdem beträchtlich gewachsen: Die über hundert Mitglieder des größten Clubs für gälischen Sport in Kontinentaleuropa trainieren vier der insgesamt sechs offiziellen Gaelic Games: Hurling und Gaelic Football (offiziell von Männern und Jungs gespielt) sowie Camogie und Ladies Gaelic Football (die entsprechenden Varianten für Frauen und Mädchen).

„GAA“ steht übrigens für Gaelic Athletic Association: der irische Sportverband, der die Gaelic Games (mit Ausnahme der beiden Frauensportarten, die ihre eigenen Verbände haben) regelt und fördert. Inzwischen gibt es auch im restlichen Europa immer mehr Clubs für gälischen Sport. Ihr Dachverband, Gaelic Games Europe, organisiert jedes Jahr europäische Meisterschaften für Hurling/Camogie wie auch Gaelic Football – bei denen natürlich auch Setanta Berlin vom Start ist.

Doch Setanta ist mehr als nur ein Sportverein. Mit seinem Angebot an gemeinsamen sportlichen Aktivitäten schafft die „Irish sporting and social community“ einen Ort der Begegnung. Spielerinnen und Spieler jeder Nationalität, Alters- und Erfahrungsstufe sind willkommen: Schüler, Studierende, Expats, Familien – schlichtweg alle, die Lust auf Bewegung, Kultur und Gemeinschaft haben.

Gaelic Games in Berlin: Kleiner Junge mit Gaelic Football // HIMBEER
Übung macht den (Gaelic Football-)Meister © David Saturra

Dabei legt der Verein einen besonderen Fokus auf die Förderung seiner Nachwuchsspieler: Als einer der wenigen GAA-Clubs in Deutschland bietet Setanta Training für Jugendliche und Kinder ab drei Jahren an.

Bevor wir uns Setanta Berlins Kinder- und Jugendteams widmen, lohnt es sich, die verschiedenen Gaelic Games genauer zu betrachten. Dabei wollen wir mit der Frage beginnen, die jeder Hurlingspieler außerhalb Irlands allzu oft zu hören bekommt: „Hurling – was ist denn das?“

Hurling und Camogie

Die irisch-gälische Sportart Hurling existiert schon seit mindestens 3.000 Jahren – und gilt als schnellste Rasensportart der Welt. Zur Grundausstattung gehören ein hölzerner Schläger, der Hurley (oder auch camán auf Irisch), und ein kleiner lederner Ball, der Sliotar. Zur Sicherheit wird ein Helm mit Gesichtschutz getragen.

In einem offiziellen Spiel treten zwei Mannschaften von je 15 Spielern gegeneinander an. Auf beiden Seiten des Spielfelds – welches länger als ein (großes) Fußballfeld ist – befindet sich ein Tor, dem zwei (seitlich oben befestigte) Stangen eine H-Form verleihen. Das Ziel ist es, den Sliotar ins Tor – oder übers Tor rüber – zu befördern. Landet dieser oben zwischen den Torstangen, gibt es einen Punkt. Trifft man ihn ins Tor selbst, bekommt man drei Punkte.

Der Sliotar kann sowohl auf dem Boden als auch in der Luft gespielt werden – mit Vor- und Rückhand, über kurze und weite Entfernungen. Man kann ihn aus der Luft fangen oder mithilfe des Schlägers vom Boden aufheben, ihn vier Schritte (am Stück) in der Hand behalten, auf den unteren breiten Teil des Schlägers platzieren und in Richtung Tor rennen (ein sogenannter “Solo Run”) – und sogar treten.

Gaelic Games in Berlin: Hurling Training der Setanta-Jugend // HIMBEER
Ein „Solo Run“ in Action © David Saturra

Wie bei jedem Teamsport stehen Kommunikation und Zusammenspiel im Vordergrund: Wird man von Gegnern bedrängt, passt man den Sliotar seinen Mitspielern zu – mit dem Hurley oder mit der flachen Hand. Zudem kann man den Ball jederzeit treten – gerade bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit oft der letzte Ausweg.

Die Interaktion mit den Gegenspielern ist für ein erfolgreiches Spiel ebenfalls essenziell: Indem man diese deckt und blockt, hindert man sie daran, den Sliotar in die Hand zu bekommen und zu spielen – und letztlich Punkte zu erzielen.

Während körperlicher Kontakt im Hurling (also bei den Männern) durchaus üblich ist, gegnerische Spieler beispielsweise mit der Schulter abgewehrt oder weggedrängt werden können, geht es im Frauensport Camogie etwas sanfter zu. Ansonsten sind die beiden Gaelic Games bezüglich ihrer Regeln (bis auf wenige kleine Ausnahmen) nahezu identisch.

Gaelic Football

Neben Hurling und Camogie trainiert Setanta Berlin GAA seine Mitglieder in einer weiteren Sportart, die sich in Irland höchster Beliebtheit erfreut: Gaelic Football. Der Name lässt es schon erahnen: Der Sport ist Fußball nicht gerade unähnlich. Wobei er auch Züge von Basketball trägt. Und von Volleyball. Und Rugby …

Am meisten hat Gaelic Football jedoch mit Hurling gemeinsam: Die Rahmenbedingungen der beiden Gaelic Games – Spielfeld, Tore, Punktesystem, Anzahl der Spieler – sind dieselben und auch die Regeln ähneln sich stark. Der wesentliche Unterschied besteht in der Ausstattung: Anstatt mit Hurley und Sliotar wird mit einem Ball gespielt, der etwas kleiner als ein „gewöhnlicher“ Fußball ist.

Gaelic Games in Berlin: Gaelic Football // HIMBEER
Ein offizieller Gaelic Football © David Saturra

Der Football soll natürlich im – oder mittig über dem – Tor landen. Dabei kommen sowohl Hände als auch Füße zum Einsatz: So kann man den Ball von der Hand aus weit durch die Luft spielen, am Boden treten oder ihn sich mit Fuß oder Hand zupassen.

Vom Boden aufnehmen darf man den Ball nur mit dem Fuß, in der Hand behalten darf man ihn für maximal vier Schritte (lässt man ihn einmal auf dem Boden aufprallen, hat man erneut vier Schritte gut).

Wie beim Hurling (doch im Gegensatz zum Fußball) darf ein gewisser Körpereinsatz – im Sinne des Schulter-an-Schulter-Rempelns – gezeigt werden. Einen Helm braucht man für Gaelic Football jedoch nicht – lediglich ein Sportmundschutz wird getragen.

Setanta Berlins Kinder- und Jugendteam

Nicht nur erwachsene (Hobby-)Sportler können sich bei Setanta Berlin GAA am Spiel irisch-gälischer Sportarten erfreuen: Der familienfreundliche Verein zeichnet sich besonders auch durch sein mitgliederstarkes Jugend- (U15) und Kinder-Team (U10) aus. Die jüngsten Mitspieler sind dabei gerade einmal zwei oder drei Jahre alt.

Beim Training wird das Kinderteam der unter Zehnjährigen daher erneut halbiert: Abhängig vom Alter, aber auch von den sportlichen Fähigkeiten und Vorkenntnissen der Kids findet sich so für jeden die richtige Gruppe.

Das Jugendteam wird von den etwa zehn- bis 14-jährigen Spielerinnen und Spielern gebildet. Ab ihrem 15. Geburtstag können die Nachwuchssportler dann mit den Erwachsenen trainieren und in europäischen und deutschen Meisterschaften gegen andere Clubs aus dem In- und Ausland spielen.

Hurling im Park: Gaelic Games in Berlin // HIMBEER
Sommerliches Hurling-Training im Park © David Saturra

Das Training der Youngsters findet einmal in der Woche statt. Während der größere Fokus auf dem Spiel von Hurling liegt, wird regelmäßig auch Gaelic Football geübt. Eure Kinder müssen sich demnach nicht für eine der Sportarten entscheiden, sondern kommen in den Genuss aller Gaelic Games, die Setanta Berlin anbietet.

Momentan treffen sich die sportlichen Mädchen und Jungen sonntags von 11:00 bis 13:00 Uhr auf der Willi-Boos-Sport-Anlage des BSC Eintracht/Südring im Kreuzberger Bergmannkiez, bei Wind und Wetter – wie waschechte Iren.

Zusätzlich zum wöchentlichen Training haben die jungen Setanta-Mitglieder mehrere Male im Jahr die Gelegenheit, gegen andere Mannschaften anzutreten: Bei Heim- und Auswärtsspielen gegen die Kinder- und Jugendteams anderer GAA-Clubs (teils als Jugendspieltage vom Deutschen Bund Gälischer Sportarten organisiert) zeigen die Kids, was sie in Sachen Gaelic Football und Hurling draufhaben, – und bringen nicht selten den ein oder anderen Pokal nach Hause.

Ein weiteres Highlight im Jahr ist das Cúl Camp: Als einziger GAA-Club auf dem europäischen Festland veranstaltet Setanta in den Ferien ein  Sommercamp für Kinder aller Altersgruppen: Fünf Tage voller Sport, Spiel und Spaß!

Fun, family and fine hurling

Die Mitglieder von Setanta Berlin GAA stammen aus Irland, Deutschland und einer Reihe weiterer Länder: Die Sprache des Clubs ist daher in erster Linie Englisch. Was die Setanta-Kids betrifft, haben viele eine familiäre Verbindung zu Irland, sei es durch ein Elternteil oder zwei. Es gibt jedoch auch mehrere nicht-irische Mitglieder unter den Kindern: Wie auch bei den Erwachsenen sind alle Nationalitäten willkommen.

Da alle Coaches (und die meisten Mitglieder) auch des Deutschen mächtig sind, wird beim Training stets darauf geachtet, dass auch die nicht englischsprachigen Kids alles verstehen und gut mitkommen.

Gelegentlich werden sogar einige Worte oder Sätze auf Gaeilge („Irisch“ auf Irisch) eingestreut. Neben Spiel und Sport ist eine Mitgliedschaft bei Setanta also ein wunderbarer Weg für eure Kinder, Englisch zu lernen, neue Freundschaften zu schließen – und natürlich jede Menge Spaß zu haben.

Während die Trainingssessions der Erwachsenen (montagabends) und der Kinder (samstag- bzw. sonntagvormittags) getrennt erfolgen, stehen bei Setanta immer wieder auch Veranstaltungen für die ganze Familie auf dem Programm: Spielerinnen und Spieler jeden Alters treffen sich regelmäßig zum blitz: einem Tag, der dem gemeinsamen Spiel der Gaelic Games gewidmet (und dabei nicht selten von weiteren Aktivitäten begleitet) ist.

Ganz im Sinne seines Mottos – fun, family and fine hurling – födert der Club so das Miteinander – und lässt seine großen und kleinen Mitglieder als Team zusammenwachsen.

Neben reinen Sportevents bringt Setanta Berlin irische Kultur auch auf anderen Wegen unter das (Berliner) Volk: So mischt der Club bei Feierlichkeiten zu St. Patrick’s Day mit, macht auf Veranstaltungen irischer Musiker und Künstler aufmerksam, trifft sich zum gemeinsamen Sport-Schauen – und organisiert (alle Jahre wieder) eine Weihnachtsfeier mit irischer Live-Musik.

Gaelic Games in Berlin: Kleiner Junge mit Hurley // HIMBEER
Kleiner Mann mit großem Hurl © David Saturra

Setanta Berlins Nähe zur Kultur Irlands spiegelt sich bereits in seinem Namen wider, den der Verein mit einer Figur aus der irisch-gälischen Mythologie teilt: Eines Nachts, so die Legende, befand sich der (in Kraft, Mut und Willensstärke geradezu übermenschliche) Junge Setanta auf dem Weg zu einem Fest, zu dem ihm der König eingeladen hatte – als ihm ein riesiger wolfartiger Hund den Weg versperrte.

Der Hund setzte zum Angriff an – doch Setanta zögerte nicht: Er griff zu seinem Hurley und schleuderte den Sliotar mit einem Schlag mitten ins Maul der furchterregenden Bestie. Der Hund war besiegt: Setanta hatte ihm mit seinen Hurlingkünsten den Garaus gemacht.

(Da sich daraufhin herausstellte, dass es sich bei Setantas Opfer um den wertvollen Wachhund des Gastgebers Culann handelte, machte ihm der junge Held ein Angebot: Er würde solange die Rolle des Wächters übernehmen, bis ein neuer Wachhund, dem alten würdig, ausgebildet sei. Und so wurde aus aus Setanta „Cú Chulainn“, der „Hund von Culann“.)

Viele Jahrhunderte später hatte ein engagierter Club Setantas Sport für sich entdeckt: Nicht um Könige zu beeindrucken und Wolfshunde zu besiegen (obwohl ein Hurley äußerst nützlich ist, sich beim Wandern durch Irland junge Stiere vom Leib zu halten – aber das ist eine andere Geschichte …) – sondern um Jung und Alt zusammenzubringen und das kulturelle Erbe Irlands im bunten Berlin weiterleben zu lassen.

Setanta Mitglieder: Gaelic Games in Berlin // HIMBEER
Gaelic Games für Jung und Alt © Setanta Berlin GAA

Setanta Berlin Gaelic Club e.V., Friedrichstr. 206, 10969 Berlin-Kreuzberg, setanta-berlin.de

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