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Wanderlust

Raus aus dem Plüsch, rein in die Natur! Schon seit der Romantik erobern Künstler zu Fuß die Natur. Die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel widmet sich nun dem Motiv des Wanderns in einer facettenreichen Sommerschau. Ausstellungstipp: Auf Wanderschaft von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir.

Die neue Ausstellung „Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie Berlin zeigt bis September 2018 rund 120 Gemälde aus dem gesamten 19. Jahrhundert bis hin zu Beispielen der klassischen Moderne. Den Besucher erwartet eine Bilderwelt aus gewaltigen Gebirgspanoramen, grün-gelb flirrenden Wald- und Wiesenfluren, eisigen Alpengletschern und weiten Landschaftsdarstellungen. Dazwischen – manchmal verschwindend klein – Wanderer.

Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ von 1817 darf in solch einer Bilderschau natürlich nicht fehlen. Die einsame Männerfigur hoch oben auf dem Felsgipfel gilt als Symbol deutscher Romantik und bildet neben den Werken von Carl Blechen und Karl Friedrich Schinkel über Gustave Courbet bis hin zu Ferdinand Hodler, Auguste Renoir und Paul Gauguin ein Highlight der Sonderausstellung.

Mit Rousseaus Parole „Zurück zur Natur!“ und Goethes Sturm-und-Drang-Dichtung wird das Wandern zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Umbrüche seit der Französischen Revolution entwickelt sich hier eine Bewegung, bei der eine entschleunigte Selbst- und Welterkenntnis zum Tragen kommt, die bis heute nachwirkt. So ist das Wandern laut einer aktuellen Studie die beliebteste Freizeitaktivität der Deutschen. Dass auch Frauen sich selbstbewusst auf Wanderpfade begaben und nicht nur den sonntäglichen Spaziergang unterm Sonnenschirm mit Kinderschar bewältigten, kam in der ersten Jahrhunderthälfte eher selten vor. Das monumentale Gemälde „Bergsteigerin“ von Jens-Ferdinand Willumsens kann hier wohl als Zeichen der Emanzipation gesehen werden. Die Ausstellung zu durchwandern macht Lust auf mehr Naturspektakel im eigenen Alltag. Also, nichts wie raus ins Grün gleich an einem der nächsten Wochenenden!

Natürlich gibt es auch ein umfassendes Vermittlungsprogramm: Kinder können in einem Workshop ein Wandertagebuch erstellen oder in den Sommerferien am dreitägigen Sommercamp teilnehmen, bei dem sie selbst die Museumsinsel auf der Suche nach einem malerischen Motiv erwandern. Anschließend wird im Freiluftatelier auf Leinwand gemalt oder es werden selbst gestaltete Postkarten an Freunde und Verwandte verschickt. Anmeldung jeweils erforderlich.

Bis 16. September 2018, Alte Nationalgalerie, Bodestr. 1-3, 10178 Berlin, www.smb.museum

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