© Klaus Pichler: Erdbeeren, aus der Fotoserie „One third“

Food Revolution 5.0

Essen ist längst keine Privatsache mehr, sondern ein hochgradig politischer Akt. Das Kunstgewerbemuseum am Kulturforum stellt noch bis Ende September Entwürfe für eine Esskultur der Zukunft aus. In der aktuellen Ausstellung „Food Revolution 5.0 – Gestaltung für die Gesellschaft von morgen“ sind Kinder eingeladen mitzumachen. 

Jeder von uns gestaltet durch sein Essverhalten den Globus mit. Doch wie und vor allem was werden wir in Zukunft essen? Um diesen Fragen nachzugehen, verwandelt sich das Kunstgewerbemuseum mit der aktuellen Ausstellung „Food Revolution 5.0“ in ein spannendes, spekulatives Laboratorium zwischen Kunst und Wissenschaft. 

Vor dem Eingang zur Ausstellung begegnen wir dem ersten grünen Projekt: Auf der immer schon viel zu öden Piazzetta soll eine urbane Streuobstwiese entstehen. Die Apfelbäumchen nebst Sitzgelegenheit sind schon da. Im Innenbereich des Museums werden wir mit jeder Menge Infotafeln über die dramatischen Folgen der industriellen Landwirtschaft konfrontiert. Die Fakten sind erschütternd: Laut Weltagrarbericht sind inzwischen drei Viertel der 1990 noch vorhandenen Sortenvielfalt verloren gegangen und 75% aller Lebensmittel stammen von nur zwölf Pflanzen und fünf Tierarten. Ein weiterer Themenbereich ist die Küche als entscheidender Schnittpunkt der Versorgung. Immerhin landet jedes achte Lebensmittel auf dem Müll. Richtig spannend, visionär und zukunftsgewandt wird es im Untergeschoss: Dort präsentieren internationale Designer ihre Überlegungen für eine Esskultur der Zukunft. Die vorgestellten Entwürfe reichen von der Insektenfarm für zu Hause über den Mehlwurm-Hasen aus dem 3D-Drucker bis zu Rindfleisch aus rotem Seetang oder völlig neu designtem Food-Material aus dem Esslabor, einhundertprozentig mit keinem Gemüse zu vergleichen. Riecht nicht, schmeckt nicht? Schade, dass die Ausstellung bei solch einem sinnlichen Thema nicht wenigstens ein paar „Probierstationen“ anbietet. 

Wenn Künstler kochen: Chloé Rutzerveld, Edible Growth, 2014 © Chloé Rutzerveld, Foto: Bart van Overbeeke

Während der Laufzeit gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm für Familien und Kinder: Im Workshop „Was essen wir morgen?“ wird der Frage nachgegangen, ob der Salat künftig im Küchenschrank wächst. Als „Lebensmittel-Retter“ können Kinder sich um das beste Modell zur Kühlung von Lebensmitteln Gedanken machen und in den Sommerferien sind Naturbegeisterte beim Urban Gardening gefragt. Ein Sommer Food Markt greift nicht zuletzt all diese Themen wieder auf, wenn es zur Langen Nacht der Museen vom 23. bis 25. August mit Pop-up-Imbissen, Marktständen, Gesprächsrunden und Workshops sowie einer temporären Streuobstwiese auf dem Kulturforum dann doch noch was zu probieren gibt.  

Food Revolution 5.0, bis 30. September 2018, Kunstgewerbemuseum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, www.smb.museum

Sommer Food Markt, 23.-25.08.2018, Kulturforum, 10785 Berlin, www.foodmarkt-kulturforum.de