© Lotte Laserstein, Russisches Mädchen mit Puderdose, 1928, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum- ARTOTHEK © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Starke Portraits der Nähe

Bis 12.08.2019 – Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht. Großartige Porträts einer vergessenen Malerin sind noch bis August in der Berlinischen Galerie zu bewundern. Ihre Bilder sind voller mutiger Bestimmtheit! So modern! So stark! Ein „Must See“!

Nach Jeanne Mammen widmet sich die Berlinische Galerie erneut einer vergessenen Künstlerin der 1920er-Jahre: In der aktuellen Ausstellung „Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht“ wird das Werk der 1898 geborenen Malerin gewürdigt. Bereits als 30-Jährige war sie in Berlin eine berühmte Künstlerin.

Zentrales Thema von Lotte Laserstein ist die Porträtmalerei. Als eine der ersten Frauen an der Akademie ausgebildet, wurzelt ihre Malerei im Naturalismus des 19. Jahrhunderts. Eindrücklich führt sie das Bild der Neuen Frau dem Betrachter vor Augen. Dabei bewegt sie sich fernab der ungezügelten Amüsierfreude der goldenen Zwanziger, kein Bild im Stile eines Otto Dix oder George Grosz.

Ausstellungstipp für Familien in Berlin: Lotte Laserstein in der Berlinischen Galerie. Mit Familienführungen und Kinderprogramm // HIMBEER
© Lotte Laserstein, Traute im grünen Pullover, um 1931, Privatbesitz, Schweden, Foto: Matthew Hollow Photography © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Ihre Bilder funktionieren in der Stille, von Angesicht zu Angesicht. Laserstein ist eine sanft-gefühlvolle Chronistin ihrer Zeit: Die einzelnen Bilder der Ausstellung zeugen von einem großen handwerklichen Können und einer behutsamen Annäherung an die Porträtierten. Ihre Malweise ist dabei nicht sachlich-unterkühlt, sondern stets intim und vertraut, ohne das Gegenüber bloßzustellen.

So ergeben sich private Porträts, die leuchten dürfen. Darunter immer wieder Selbstportraits der Malerin mit Bubikopf, weißem Malerkittel, Palette und einem konzentrierten Blick, der sagt, ‚das ist mein Beruf‘ und ‚meine Berufung ist die Malerei‘. Es sind vor allem die selbstbewusste Konzentration und die aufmerksame Nähe zu den dargestellten Modellen, die den Betrachter hier packen. Ihre Freundin und Muse Gertrud Rose ist in vielen Gemälden festgehalten. Als Aktmodell im Stil einer schlafenden Venus ebenso wie als Tennisspielerin.

Ausstellungstipp für Familien in Berlin: Lotte Laserstein in der Berlinischen Galerie. Mit Familienführungen und Kinderprogramm // HIMBEER
© Lotte Laserstein, Tennisspielerin, 1929, Privatbesitz, Bild: Lotte-Laserstein-Archiv/Krausse, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Lotte Laserstein als sogenannte „Dreivierteljüdin“ vom Kulturbetrieb ausgeschlossen. Sie emigriert 1937 nach Stockholm, wo sie nach wechselvollen Jahren der Isolation vom internationalen Kunstbetrieb und einer Existenz als Auftragsmalerin kein zweites Malglück wirklich findet. Ihr Realismus ist nach 1945 nicht gefragt. 1993 stirbt sie im Alter von 95 Jahren in Schweden.

Wie schön, dass wir diese ausdrucksstarke Malerin jetzt in der Berlinischen Galerie entdecken können! Die interaktive Family Tour lädt jeden Sonntag Familien mit Kindern ab sieben Jahren dazu ein, das Werk von Lotte Laserstein und ihre Malweise kennenzulernen. Jeden ersten Sonntag im Monat findet ein kreativer Workshop statt, zu dem eine Anmeldung erforderlich ist.

Viele weitere Veranstaltungstipps für kleine und große Kunstbegeisterte und kreative Geister findet ihr in  unserem
Veranstaltungskalender

Ausstellung bis 12.08.2019, Family Tour sonntags ab 14:00, Berlinische Galerie, berlinischegalerie.de