© Filip Urban, Unsplash

Nachhaltige Fortschritte

Die Hauptstadt gilt als Ort für Vordenker:innen – hier entstehen neue Ideen und werden in die Tat umgesetzt. Ob Lebensmittel-Retter:innen, Zero Waste-Initiator:innen, Changing Cities-Aktivist:innen oder grüne Start-up-Gründer:innen – sie machen vor, an welchen Stellen wir alle ansetzen können, um unser Leben Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten.

Die Corona-Krise hat es nur noch deutlicher zutage treten lassen: Wie wichtig zum einen unser lokales Lebensumfeld ist und zum anderen, wie sehr die Welt vernetzt ist und alles mit allem zusammenhängt. Dass das verantwortungsbewusste Handeln jedes einzelnen Menschen zählt im Kampf gegen eine Pandemie.

Ebenso verhält es sich im Kampf gegen den Klimawandel – niemand muss auf der Stelle zum dogmatischen Asketen mutieren, aber viele kleine Schritte zählen halt doch. Und entgegen mancher Vorurteile muss Verzicht nicht gleichbedeutend mit weniger Lebensqualität sein, gerade in Berlin ist das Angebot an ökologischen Alternativen, die gut schmecken, aussehen, funktionieren groß.

Lastenrad kostenlos leihen in Berlin: flotteBerlin // HIMBEER
Nachhaltiges Berlin: Lastenräder kostenlos ausleihen bei flotte Berlin: flotte-berlin.de. © HIMBEER

Ob ihr euer Einkaufsverhalten, generell euer Konsumverhalten umstellt, euch umweltschonender fortbewegt, für die Straßenbäume im Kiez, in Clean up- oder Upcycling-Initiativen engagiert – wenn wir uns alle ein Stück aus unserer Komfortzome rausbewegen, kommen wir zusammen weiter auf dem Weg zu einer klimagerechteren Welt. Wir wissen – viele von euch sind schon auf diesem Weg und das Schöne ist: Es werden immer mehr – im Folgenden stellen wir euch nachhaltige Berliner Läden, Initiativen und Events vor.

Wir alle sind verantwortlich

Bevor Kunststoffe den Alltag eroberten, war es für unsere Großmütter und -väter noch das Normalste der Welt, dass man im Laden unverpackt und plastikfrei einkaufte. Jahrzehnte später brauchte es eine neue Bewegung für einen nachhaltigeren Konsum, um dies wieder möglich zu machen.

Nachhaltiges Berlin: Zero Waste Shopping: Original Unverpackt in Berlin-Kreuzberg // HIMBEER
Nachhaltiges Berlin: Das Original unter den Unverpackt-Läden. © Original Unverpackt

Unverpackt einkaufen in Berlin

„Original Unverpackt“-Gründerin Milena Glimbovski war 2014 Vorreiterin mit dem ersten Unverpackt-Laden in Kreuzberg.

Nachhaltiges Berlin: Zero Waste Shopping: Original Unverpackt in Berlin-Kreuzberg // HIMBEER
Original Unverpackt in Kreuzberg. © Katja Vogt

Inzwischen findet man in der ganzen Stadt Läden wie „Die Erbsenzählerei“ auf der Schöneberger Roten Insel, „FAIR unverpackt“ im Charlottenburger Ludwigkirchkiez, „Herbie Unverpackt“ im Neuköllner Reuterkiez oder „unverpackt berlin“ im Friedrichshagener Bökschekiez, um verpackungs- und plastikfrei einzukaufen.

Nachhaltiges Berlin: Zero Waste Shopping: Original Unverpackt in Berlin-Kreuzberg // HIMBEER
Nachhaltiges Familienleben in Berlin beginnt beim Einkaufen: Kein Verpackungsmüll und nur soviel abfüllen, wie gebraucht wird. © Katja Vogt

Und auch, wer keinen solchen Laden in der Nähe hat, findet beim Online-Shop und Lieferservice von Original Unverpackt alles für einen Zero Waste-Lebensstil. Auch der „Der Sache wegen“ beliefert euch zu Hause mit Lebensmitteln, Getränken, Haushalts- und Pflegeprodukten in Pfandgefäßen.

Refill, Reuse, Recycle

Und nicht zuletzt bieten einzelne Bio- und Drogerieläden Unverpacktes und Refill-Stationen an. Bei dm findet ihr in bereits zwei Berliner Filialen nachhaltige „Love Nature“ Wasch- und Handspülmittel aus der Nachfüllstation, sollte der bundesweite Test positiv verlaufen, wird das Angebot ausgeweitet. Die Veganz-Supermärkte bieten eine gar nicht so kleine Auswahl in ihren Unverpackt-Theken.

Plastikfrei unverpackt einkaufen in Berlin // HIMBEER
© cottonbro, Pexels

Unverpackt-Stationen, an denen ihr Nudeln, Bohnen, Nüsse, Reis, Couscous, Haferflocken, Linsen, Müsli, Trockenobst, Cornflakes, Popcornmais und vieles andere selbst in eure mitgebrachten Gefäßen abgefüllen könnt, findet ihr darüber hinaus in einzelnen Denns Biomarkt-Läden sowie in mehreren Bio Company-Filialen.

  • Berliner dm-Märkte mit Nachfüllstationen: Garbatyplatz 2, 13187 Berlin-Pankow, Frankfurter Allee 57/59, 10247 Berlin-Friedrichshain, dm.de
  • Veganz-Märkte mit Unverpackt-Theken: Marheinekeplatz 15, 10961 Berlin-Kreuzberg, Warschauer Str. 33, 10243 Berlin-Friedrichshain, Schivelbeiner Str. 34, 10439 Berlin-Prenzlauer Berg, veganz.de
  • Denns Biomärkte mit Unverpackt-Angebot: Kottbusser Damm 33, 10967 Berlin-Kreuzberg, Albrechtstr. 16-18, 12167 Berlin-Steglitz, biomarkt.de
  • Alle 13 Berliner und Potsdamer Bio Company-Fililalen mit Unverpackt-Stationen findet ihr unter biocompany.de

Berlin soll Zero Waste-Stadt werden

Die Zero Waste-Initiative „Re-Use Berlin“ der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wird weiter fortgesetzt. Dazu gehört auch der Re-Use Superstore im Karstadt am Hermannplatz in Neukölln, in dem man wiederaufbereitete gebrauchte Dinge erwerben kann und wo zudem ab August Veranstaltungen rund um Re- und Upcycling stattfinden sollen. Zudem wird aktuell eine Projektstudie durchgeführt, um möglichst 2022 einen Gebrauchtwaren-Baumarkt in Berlin eröffnen zu können.

Re-Use Superstore in der 3. Etage, Karstadt Hermannplatz, Hermannplatz 5-10, 10967 Berlin-Neukölln, berlin.de

Wo ihr Repair-Cafés, Tauschmärkte und Verleihstationen in Berlin findet

Wenn ihr mehr über die zahlreichen Projekte und Akteur:innen der Berliner Zero Waste-Szene erfahren möchtet, ist der vom BUND Berlin initierte Online-Stadtplan ReMap eine wertvolle Informationsquelle – dort sind Repair-Cafés, Food-Sharing-Stationen und Tauschmärkte, Upcycling-Treffs und Verleih-Plattformen verzeichnet.

Zudem kürt der BUND Berlin im Rahmen des Projekts „Berlins Weg zu Zero Waste“ jeden Monat eine „Zero Waste-Initiative des Monats“ – im August 2021 stehen dabei Initiativen gegen Ressourcenverschwendung und Verpackungsmüll im Fokus, von September bis November 2021 geht es rund ums Reparieren. Ans Herz legen möchten wir euch auch das kostenlos zu abonnierende TrenntMagazin der BSR sowie den Newsletter.

Hier könnt ihr in einem TrenntMagazin blättern

Nachhaltiges Berlin: TrenntMap Berlin // HIMBEER
© Screenshot TrenntMap Berlin, 02.08.2021

In Heft, Newsletter und online wird ausführlich und ansprechend gestaltet rund um die Themen Müllvermeidung, Ressourcenschonung und Recyling berichtet. Auch die TrenntMap zeigt die Viefalt der nachhaltigen Läden und Projekte für ein nachhaltigeres Stadtleben.

zero-waste-berlin.de, remap-berlin.de, trenntmagazin.de, trenntstadt-berlin.de

Lebensmittelretter:innen

Verschwendung zu vermeiden bezieht sich nicht zuletzt auf Lebensmittel, die in Deutschland tonnenweise weggeworfen werden. Es werden immer noch gut 90 Prozent der „unverkäuflichen“ Waren in Supermärkten als Müll entsorgt.

Gegen Lebensmittelverschwendung // HIMBEER
© SIRPLUS

In Berlin haben etliche Foodsaving- und Foodsharing-Projekte ihren Ursprung – hier wurden die ersten SIRPLUS-Rettermärkte gegründet, die App „Too Good To Go” ersonnen, das inzwischen bundesweit und über Deutschland hinaus agierende „foodsharing“ sowie der Verein „RESTLOS GLÜCKLICH“, der sich schon bei den Jüngsten für einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und anderen Ressourcen einsetzt, initiert.

RESTLOS GlÜCKLICH-Gründerinnen Anette Keuchel und Leoni Beckmann // HIMBEER
© RESTLOS GlÜCKLICH

Gemeinsam haben sie das „Bündnis Lebensmittelrettung“ gegründet, das sich auch politisch für effektive Lösungsansätze engagiert. Zu ihren Forderungen zählt eine bessere Erforschung und Kontrolle der von Produzent:innen festgelegten Mindesthaltbarkeitsdaten.

  • Foodsharing, foodsharing.de; RESTLOS GLÜCKLICH, restlos-gluecklich.berlin
  • Berliner SIRPLUS Rettermärkte: Wilmersdorfer Str. 58, 10627 Berlin-Steglitz, East Side Mall (1. UG), Tamara-Danz-Str. 11, 10243 Berlin-Friedrichshain, Bergmannstr. 101, 10961 Berlin-Kreuzberg, Karl-Marx-Str. 108, 12043 Berlin-Neukölln, Schloßstr. 94, 12163 Berlin-Steglitz, sirplus.de
  • Too Good To Go, toogoodtogo.de
Foodsharing mit Too Good To Go // HIMBEER
© Too Good To Go

Vor der eigenen Haustür starten

Nicht nur sprichwörtlich kann man vor der eigenen Haustür beginnen, indem man sich Eimer, Gießkanne oder Gartenschlauch schnappt. Unsere Stadtbäume sind auf fürsorgliche Menschen angewiesen, vor allem in Trockenperioden, wenn die Grünflächenämter nicht mehr hinterherkommen, sie mit Wasser zu versorgen.

Straßenbäume gießen in Berlin // HIMBEER
© RODNAE Productions

Auf „Gieß den Kiez“ sind knapp 94 Prozent der rund 430.000 Berliner Straßenbäume verzeichnet. Auf dem Portal könnt ihr euch über den Baumbestand in eurer Umgebung und den jeweiligen Wasserbedarf informieren, einzelne Bäume adoptieren und euer Gießen vermerken.

Gieß den Kiez in Berlin // HIMBEER
© Gieß den Kiez-Karte, Screenshot 02.08.2021

Auch öffentliche Wasserpumpen sind auf der Karte zu finden. giessdenkiez.de

Straßenbäume gießen in Berlin – BUND-Aktion // HIMBEER
© BUND Berlin

Mitmachen könnt ihr auch bei der Aktion „Bäume gießen“ des BUND – dort findet ihr Tipps und Tricks, wertvolle Infos zum richtigen Gießen und Kontakt zu bereits bestehenden Gießgruppen: bund-berlin.de

Bienen und biologische Vielfalt

Dass Bienen viel mehr können als Honig zu produzieren und für den Fortbestand unserer Ökosysteme unverzichtbar sind, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.

Wer selbst auf seinem Balkon, Fensterbrett oder Dach, im Garten oder Hinterhof dazu beitragen möchte, diesen und anderen nützlichen Tieren Lebensraum zu bieten, findet Gleichgesinnte, Infos und Imker:innenkurse bei Initiativen wie „Berlin summt!“, „Stadtbienen“ oder der der „Grünen Liga Berlin“, die euch außerdem zu vielen weiteren Themen der Stadtbegrünung beraten kann.

Für mehr Klimaschutz und ein nachhaltigeres Familienleben

FAMILIENLEBEN // Nachhaltigkeit

Naturerlebniszentrum Blumenberger Mühle

Top-Adressen

Im Grünen blüht jedes Kind auf