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Maren und Mark von Schlagwerk Voermans

Kisten, Töpfe, Pauken und ganz viel Witz: Maren und Mark Voermans verwandeln mit ihrem Ensemble Schlagwerk Voermans Alltagsgegenstände in Musik – und Kinder in begeisterte Konzertgänger:innen. Im Interview erzählen die beiden, wie aus zwei unterschiedlichen musikalischen Welten ein gemeinsames Leben auf und hinter der Bühne wurde, wie ihre drei Kinder von Anfang an mittendrin waren.

Wenn eine Kiste zum Percussioninstrument wird und der Abwasch plötzlich Rhythmus hat, sind meist Maren und Mark Voermans nicht weit. Das Musiker:innenpaar hat mit Schlagwerk Voermans ein Konzertformat geschaffen, das klassische Musik dort abholt, wo Kinder ohnehin schon sind: mitten im Alltag.

Mark ist seit 2011 Solo-Pauker im Konzerthausorchester Berlin, Maren kam über Umwege vom Geigenstudium zum Schlagwerk – 2019 gründeten die beiden gemeinsam ihr eigenes Ensemble, das während der Pandemie mit Mitmachvideos für Familien richtig Fahrt aufnahm.

Himbeer Interview Mit Maren Und Mark Voermans Von Schlagwerk Voermans
© Schlagwerk Voermans, Foto: Sebastian Runge

Aus dieser Zeit sind Programme wie „Drumming out of the Box“ und das szenische Schlagzeugkonzert „DRUMCOM“ entstanden, das gerade wieder im Konzerthaus Berlin zu erleben ist.

Interview mit Maren und Mark von Schlagwerk Voermans

Wir haben mit Maren und Mark darüber gesprochen, wie sie sich kennengelernt haben, wie sie Familie mit drei Kindern und ein Leben zwischen Orchestergraben und eigener Bühne unter einen Hut bekommen – und warum bei ihnen zu Hause selbst der Kühlschrank schon mal zum Instrument wird.

Wie seid ihr beide aufgewachsen, seid ihr schon als Kinder mit Musik in Berührung gekommen?

Maren: Wir sind beide sehr musikalisch aufgewachsen, allerdings in ganz unterschiedlichen Traditionen. Ich komme aus einem musikalischen Elternhaus. Mein Vater war Musiklehrer, bei uns zu Hause gab es immer viel Musik und meine Eltern haben mich schon früh mit in Konzerte genommen.

Himbeer Interview Mit Maren Und Mark Voermans Von Schlagwerk Voermans – Vereinbarkeit Von Musikkarriere Und Familie
© privat

Mit fünf Jahren habe ich angefangen, Geige zu spielen. Mit zwölf kam Klavier dazu. In meiner Kindheit und Jugend in Niedersachsen habe ich in verschiedenen Orchestern und Streicherensembles gespielt.

Mark: Ich bin in Limburg im Süden der Niederlande aufgewachsen, wo Schützenvereine und Drumbands eine lange Tradition haben. Mit sieben Jahren bin ich in die Drumband unseres Dorfes eingestiegen und habe dort angefangen zu trommeln.

Neben den wöchentlichen Proben und den Schützenfestmärschen am Wochenende bekam ich Einzelunterricht, lernte nach und nach die verschiedenen Schlaginstrumente und nahm als Solist an vielen Wettbewerben teil.

Die musikalischen Welten, aus denen wir kommen, waren also ziemlich verschieden. Aber wir waren beide schon früh echte Musiknerds: Musik nahm den größten Teil unserer Freizeit ein.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermokas

Wann war euch klar, dass dies euer beruflicher Weg wird, wie haben sich eure musikalischen Wege entwickelt?

Mark: Ich habe nach dem Abitur angefangen, Schlagwerk an der Musikhochschule in Maastricht zu studieren. Was ich damit später beruflich machen wollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht so genau.

Im dritten Semester durfte ich zum ersten Mal im niederländischen Jugendsinfonieorchester spielen. Das war für mich der entscheidende Moment. Ich saß mitten in diesem großen Orchesterklang und wusste sofort: Genau das möchte ich machen, ich möchte Orchestermusiker werden.

Von da an habe ich sehr gezielt darauf hingearbeitet und möglichst viel Erfahrung in Sinfonie- und Opernorchestern gesammelt, unter anderem als Akademist bei der Staatskapelle Berlin.

Meine erste feste Stelle als Solo-Pauker hatte ich anschließend beim Noord Nederlands Orkest in Groningen. Seit 2011 bin ich Solo-Pauker im Konzerthausorchester Berlin.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermoaks

Maren: Mein Weg zur professionellen Schlagzeugerin verlief weniger geradlinig. Nach dem Abitur habe ich zunächst Lehramt in Oldenburg studiert, mit Geige als Hauptinstrument, und mich dabei besonders mit Musiktheaterpädagogik beschäftigt. Mit Schlagwerk hatte ich bis dahin gar nichts zu tun.

Das änderte sich, als ich eines Tages zufällig in den Schlagzeugraum der Universität kam und dort zum ersten Mal direkt vor einem Marimbaphon stand. Ich habe ein paar Töne darauf gespielt und war sofort fasziniert von diesem warmen Klang und davon, wie unmittelbar und körperlich sich das Spielen anfühlte.

Und dann hat es bei mir richtig Klick gemacht. Mich hat plötzlich dieses ganze Instrumentarium gepackt: Marimba- und Vibraphon, Trommeln, Pauken, Glockenspiel und all die vielen unterschiedlichen Klänge, Materialien und Spielweisen. Ich habe gemerkt, wie viel Experimentierlust im Schlagwerk steckt.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermokas

Man kombiniert Instrumente, probiert neue Klänge aus, bewegt sich zwischen verschiedenen Set-ups, verändert Anordnungen und Spielweisen. Ich habe eine Verbindung zu dem gespürt, was mich am Musiktheater schon immer interessiert hatte: dass musikalischer Ausdruck nicht nur über das Hörbare funktioniert, sondern auch über Bewegung, Raum und Präsenz.

Von da an habe ich mich komplett ins Schlagwerk gestürzt. Musikalisch brachte ich durch Geige, Klavier und mein Studium schon viel mit, aber spieltechnisch musste ich mir alles von Grund auf erarbeiten.

Ich habe damals wie verrückt geübt und jede freie Stunde im Schlagzeugraum verbracht, denn gleichzeitig mit meinem Staatsexamen habe ich mich auf die Aufnahmeprüfung für ein klassisches Schlagwerkstudium vorbereitet. Mir war einfach völlig klar: Das will ich unbedingt machen.

Nach meinem Uniabschluss habe ich nahtlos weiterstudiert, diesmal klassisches Schlagwerk an der Musikhochschule. Danach habe ich zunächst vieles miteinander verbunden: Musikpädagogik, Musiktheater und Schlagzeug.

Wie und wann habt ihr euch kennengelernt, und war schnell klar, dass ihr auch musikalisch zusammenarbeiten würdet?

Mark: Kennengelernt haben wir uns 2008 in Groningen in den Niederlanden. Maren hat dort Schlagwerk studiert, ich war Pauker im Orchester, und über die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Orchester liefen wir uns immer wieder über den Weg.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermokas

Was mir an ihr auffiel, war diese große Neugier auf Musik. Sie sah in Dingen oft noch Möglichkeiten, die nicht sofort auf der Hand lagen. Wir waren auf einer Wellenlänge und hatten denselben Humor. Mir war sofort klar: Mit dieser Frau möchte ich so viel wie möglich zusammen machen.

Maren: Beim gemeinsamen Spielen war von Anfang an eine große Leichtigkeit da. Wir konnten uns musikalisch aufeinander verlassen und hatten gleichzeitig Lust, immer Neues auszuprobieren. Dieses Spielerische, die Neugier und der Humor prägen unsere Arbeit bis heute.

Was war der Auslöser, Schlagwerk Voermans zu gründen, und wie ist die Idee zu einem gemeinsamen Programm entstanden?

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermokas

Mark: Uns hat immer beschäftigt, dass klassische Musik viele Menschen gar nicht erst erreicht. Nicht unbedingt wegen der Musik selbst, sondern weil der Konzertbetrieb für Außenstehende schnell eine hohe Schwelle haben kann.

Wir wollten Konzerte entwickeln, die auch Menschen neugierig machen, die bisher wenig Berührung mit klassischer Musik hatten, ohne die Musik dafür zu vereinfachen. Gerade das Schlagwerk bietet dafür mit seiner Unmittelbarkeit, seiner visuellen Präsenz und seiner Vielfalt enorme Möglichkeiten.

Maren: Offiziell gegründet haben wir Schlagwerk Voermans 2019, kurz nach der Geburt unseres dritten Kindes. Richtig Fahrt aufgenommen hat Schlagwerk Voermans ausgerechnet während der Corona-Pandemie.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: privat

Plötzlich war all das weg, wovon Musik lebt: Konzerte, Publikum, Begegnung, gemeinsames Erleben. Mit drei kleinen Kindern zu Hause haben wir sehr unmittelbar gespürt, was gesellschaftlich fehlt, wenn Kultur und Begegnung plötzlich wegbrechen.

Wir wollten dem etwas entgegensetzen und Musik trotzdem zu den Familien bringen. Gemeinsam mit dem Konzerthaus Berlin entstanden zunächst regelmäßig Mitmachvideos, in denen Familien mit Dingen aus dem eigenen Haushalt selbst Klänge und Rhythmen ausprobieren konnten.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Sebastian Runge

Später kam mit „#tamtam mit Schlagwerk Voermans“ eine zweite Reihe dazu: kleine, humorvolle Geschichten, Blicke hinter die Kulissen und Erklärstücke rund ums Schlagwerk, ein bisschen im Geist der „Sendung mit der Maus“. Wie funktioniert eigentlich eine Pauke? Was ist ein Paradiddle? Wie kann der Abwasch zu Musik werden?

Vieles von dem, was in diesen Videos entstanden ist, ist später in unsere Konzertprogramme „Drumming out of the Box“ und schließlich in „DRUMCOM“ eingeflossen.

Was unterscheidet euer Programm von eurer sonstigen Arbeit als Musiker:innen?

Mark: Im Orchester bin ich Teil eines großen Ganzen. Die Stücke, die Besetzung und der Probenplan stehen fest, ein:e Dirigent:in erarbeitet das Programm mit dem Orchester, und meine Aufgabe ist es, den Pauken-Part darin zu gestalten.

Bei Schlagwerk Voermans beginnt unsere Arbeit viel früher: Wir entwickeln die Idee, suchen oder komponieren Musik, arrangieren, arbeiten mit Regisseur:innen und anderen Partner:innen zusammen. Wir gestalten also den gesamten Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Produktion.

Maren: Und dann gibt es noch den ziemlich großen Teil von Schlagwerk Voermans, der überhaupt nicht auf der Bühne stattfindet. Ich kümmere mich um Marketing und PR, Booking und Konzertorganisation, Newsletter, Buchhaltung, Verträge usw.

Das alles habe ich nicht gelernt, sondern mir in den letzten Jahren Stück für Stück erarbeitet. Eigentlich ist das längst eine eigene Vollzeitstelle. Manchmal muss ich ein bisschen aufpassen, dass zwischen all den Mails, Tabellen und Anträgen noch genug Zeit für das bleibt, weswegen wir das Ganze überhaupt machen: Musik.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Sebastian Runge

„Drumming out of the Box“ verwandelt Alltagsgegenstände in Instrumente – wie entsteht so ein Konzept, und wie viel davon ist geplant, wie viel entsteht live mit dem Publikum?

Maren: Der Titel spielt auf „Thinking out of the box“ an: Wir möchten dazu einladen, Dinge einmal anders zu betrachten. Warum sollte eine Kiste nur eine Kiste sein und nicht auch ein Percussioninstrument? Dabei greifen wir bewusst Themen aus der Lebenswelt der Kinder auf.

So werden Mittagessen, Süßigkeiten oder auch ein Gefühl wie Ausgegrenztsein zum Ausgangspunkt für Musik. Umgekehrt suchen wir für klassische Stücke Bilder und Situationen, die unmittelbar verständlich sind.

Beim „Tango Jalousie“ etwa wird die titelgebende Eifersucht ganz konkret: Wir geraten darüber in Streit, wer den Solopart spielen darf.

Mark: Das Programm selbst ist sehr genau entwickelt und geprobt, aber die Kinder sind nicht nur Zuschauer:innen. Wir beziehen sie ein und reagieren auf ihre Antworten und auf die Stimmung im Saal. Dadurch entsteht innerhalb des festen Rahmens jedes Mal etwas Eigenes.

Gerade in einer Welt, in der so vieles digital verfügbar, wiederholbar und jederzeit abrufbar ist, hat dieser einmalige Live-Moment für uns einen besonderen Wert: die Begegnung zwischen Bühne und Publikum, die nur genau jetzt und mit diesen Menschen entsteht. Dieses Erlebnis möchten wir möglichst vielen Kindern ermöglichen.

Aktuell stehen wieder DRUMCOM Termine im Konzerthaus auf dem Programm, was erwartet das Publikum dort?

Maren: DRUMCOM ist ein szenisches Schlagzeugkonzert ohne Worte, in dem sich Konzert, Komödie und Musiktheater verbinden.

Wir spielen in einer eigens für uns gebauten, voll funktionsfähigen Wohnküche, die selbst zum Instrument wird: Schubladen, Geschirr, Besteck, Leergut und Möbel treffen auf Marimba- und Vibraphon. „DRUM“ steht für Schlagwerk, „COM“ für Komödie. Die Geschichte entsteht aus Musik, Bewegung, Witz und Timing.

Himbeer Interview Mit Maren Und Mark Voermans Von Schlagwerk Voermans
© Schlagwerk Voermans, Foto: Sebastian Runge

DRUMCOM gibt es in zwei Fassungen – als Kinderkonzert und als abendfüllendes Programm. Für Kinder ab fünf Jahren heißt es „Happy Birthday, Charly! Eine DRUMCOM mit Schlagwerk Voermans“: Charly bereitet voller Vorfreude einen Geburtstag vor.

Es wird gebacken, geschmückt, geträumt und getrödelt, und dabei wird alles zu Musik. Dann sagen nach und nach alle eingeladenen Gäste ab. Allein bleibt Charly trotzdem nicht: Die Kinder im Publikum feiern am Ende mit.

Mark: Nach vielen Jahren mit Kinder- und Familienprogrammen hatten wir Lust, auch mal wieder einen Abend für die Erwachsenen zu machen. In „DRUMCOM – Ein Abend bei den Voermans“ versucht ein Paar, einen schönen Abend für Gäste vorzubereiten.

Alles ist geplant, alles soll klappen. Dass daraus nichts wird, dürfte vielen Eltern nicht ganz unbekannt vorkommen. Wer also Lust auf einen Abend im Konzerthaus mit viel Schlagwerk, Humor und Wiedererkennungswert hat: herzlich willkommen!

Das Publikum erwartet in beiden Fassungen virtuoses Schlagwerk, poetische Momente und ziemlich viel Komik – mitten in einer Welt, die jede*r aus dem eigenen Alltag kennt.

Was ist euch bei euren Kinderkonzerten besonders wichtig, und was möchtet ihr den jungen Zuhörer:innen vermitteln?

Maren: Uns ist wichtig, Kinder auf Augenhöhe anzusprechen und bei ihrer eigenen Lebenswelt anzusetzen.

Wir zeigen ihnen, dass Musik nicht erst dort beginnt, wo ein Konzertsaal und ein klassisches Instrument stehen, sondern dass überall Klänge und Rhythmen stecken können: in einer Kiste, einer Flasche, dem Mittagessen aber eben auch in Marimbaphon, Vibraphon und Trommeln.

Mark: Und Humor spielt dabei eine große Rolle. Wir möchten nicht, dass Kinder das Gefühl bekommen, klassische Musik sei etwas, vor dem man erst einmal ehrfürchtig stillsitzen und das man irgendwie „richtig verstehen“ muss. Sie dürfen lachen, staunen, sich wundern und neugierig werden.

Maren: Offene Ohren, Lust aufs Entdecken und die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, das man noch nicht kennt. Das ist ist für uns eine Haltung, die weit über ein Konzert hinausgeht: neugierig bleiben, andere Perspektiven zulassen und nicht alles Ungewohnte auf Abstand halten.

Wie war es für euch, als Musiker:innenpaar Kinder zu bekommen – wie bekommt ihr Familie, Proben und Auftritte unter einen Hut?

Maren: Die Kinder haben unsere Arbeit nicht nur fokussiert, sondern uns auch mutiger gemacht. Wenn die Zeit knapper wird, stellt sich sehr konkret die Frage, wofür man sie einsetzen möchte.

Himbeer Interview Mit Maren Und Mark Voermans Von Schlagwerk Voermans – Vereinbarkeit Von Musikkarriere Und Familie
© Schlagwerk Voermans, Foto: privat

Der Wunsch, unsere Energie in etwas Eigenes zu stecken, wurde dadurch immer stärker. Nach der Geburt unseres dritten Kindes habe ich meine Stelle an der Musikschule aufgegeben und mich ganz auf Schlagwerk Voermans konzentriert.

Mark: Und dann ist es natürlich eine ziemliche Organisationsaufgabe. Kaum eine Woche sieht bei uns aus wie die andere. Abende und Wochenenden sind oft Arbeitszeit, manchmal bin ich mehrere Tage oder gar Wochen auf Orchestertournee, dann stehen Gastspiele mit Schlagwerk Voermans an, für die wir weit reisen müssen.

Dafür gibt es unter der Woche auch wieder ungewöhnlich freie Zeiten. Unser Terminkalender ist jedenfalls ein sehr lebendiges Gebilde. Und ohne Familie und Freund:innen, die immer wieder mit einspringen, würde es nicht funktionieren.

Wie alt sind eure Kinder inzwischen, und wie sind sie mit der Musik in eurem Alltag aufgewachsen?

Maren: Unsere Tochter ist zwölf, unsere Söhne sind zehn und acht Jahre alt. Musik haben die drei schon vor ihrer Geburt mitbekommen. Die Klangplatten von Marimba- und Vibraphon liegen ungefähr auf Bauchhöhe, beim Üben waren sie also zwangsläufig immer in der ersten Reihe.

Mark: Und nach der Geburt ging es nahtlos weiter. Unsere Kinder wollten alle drei vor allem in der Trage sein. Zum Glück haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass man erstaunlich gut Marimba- und Vibraphon spielen kann, wenn ein kleiner Mensch vor dem Bauch oder auf dem Rücken in der Trage hängt. So waren sie bei Proben einfach von Anfang an mittendrin.

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Maren: Das ist typisch für Schlagwerk Voermans: Bei uns haben sich Familie und Musik von Anfang an überschnitten. Die Kinder waren bei Proben dabei, und umgekehrt wurde manches aus unserem Familienleben zum Ausgangspunkt für ein Programm.

Eine Gutenachtgeschichte, die wir ihnen sehr gern vorgelesen haben, wurde zum Beispiel unser erstes Familienprogramm am Konzerthaus Berlin: „Tranquilla Trampeltreu – eine klingende Reise nach Michael Ende mit Musik von Schlagwerk Voermans“. Das Stück steht dort bis heute auf dem Spielplan.

Und unser Probenraum liegt direkt neben der Wohnküche. Früher sind die drei dort zwischen den Instrumenten herumgekrabbelt, heute üben sie dort selbst ihre Instrumente.

Was mögt ihr persönlich am meisten daran, gemeinsam auf der Bühne zu stehen – und habt ihr durch die Arbeit als Duo neue Seiten aneinander oder an euch selbst entdeckt?

Mark: Durch Schlagwerk Voermans habe ich entdeckt, wie gern ich szenisch arbeite. Mit einem Regisseur an Figuren, Bewegungen und Timing zu feilen und Musik mit diesen Ebenen zu verbinden, eröffnet mir eine ganz andere Form künstlerischer Arbeit. Diese Seite habe ich erst durch unsere Programme kennengelernt.

Maren: Am gemeinsamen Spielen liebe ich dieses blinde Vertrauen. Oft reichen auf der Bühne ein Blick, eine Bewegung oder ein Atemzug, und wir können spontan aufeinander reagieren, ohne dass etwas abgesprochen werden muss.

Durch unsere Arbeit als Duo habe ich meinen eigenen musikalischen Weg noch einmal neu verstanden. Ich habe viele unterschiedliche Bereiche kennengelernt und mich darin ausprobiert: Geige, Musikpädagogik, Musiktheater und schließlich Schlagwerk – lange kamen mir die ersten Stationen als Umweg vor.

Bei Schlagwerk Voermans merke ich heute, dass gerade diese Vielseitigkeit eine meiner größten Stärken ist und unsere Arbeit entscheidend mitprägt.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Yan Rezanov

Was habt ihr als Nächstes vor – gibt es neue Programme, Projekte oder Ziele, auf die ihr euch besonders freut?

Maren: Als Nächstes freuen wir uns vor allem darauf, mit unseren Programmen auf Reisen zu gehen. Für die kommenden Spielzeiten planen wir Gastspiele in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz.

Mark: Gleichzeitig wollen wir auch digital wieder mehr ausprobieren. Wir haben große Lust, unseren YouTube-Kanal wieder stärker zu bespielen und dort neue Formate rund um Schlagwerk Voermans auszuprobieren.

Gibt es Lieblingsorte in Berlin, an die ihr besonders gerne mit euren Kindern geht?

Maren: Unsere Söhne leben auf dem Fußballplatz: zweimal pro Woche Training, am Wochenende Spiele und jede freie Minute auf dem Bolzplatz. Wenn es irgendwie geht, stehen wir am Wochenende als ganze Familie zum Anfeuern am Spielfeldrand.

Bei den Auswärtsspielen lernen wir immer wieder Ecken von Berlin kennen, in die wir sonst wahrscheinlich nie gekommen wären.

Mark: Sehr viel Zeit verbringen wir auch in der Komischen Oper. Unsere Tochter singt dort im Kinderchor, was mit Proben und Aufführungen einen großen Platz in unserem Familienkalender einnimmt.

Wir sind aber auch ausgesprochen gern dort: Die Kinderproduktionen sind wirklich toll, und wenn unsere Tochter auf der Bühne steht, sitzen wir natürlich im Publikum.

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© Schlagwerk Voermans, Foto: Dovile Sermokas

Maren: Bei uns ist immer viel los und die Tage sind voll, aber für ein Eis ist fast immer Zeit. Wir lieben die vielen guten Eisdielen in unserem Kiez zum Beispiel Hokey Pokey, Süßfein, Tribeca und Rosa Canina.

Unsere Tochter und ich sind außerdem große Leseratten und entsprechend oft in Bibliotheken zu finden, die Bibliothek am Wasserturm und die Heinrich-Böll-Bibliothek mögen wir sehr gerne.

Und wie verbringt ihr Zeit, wenn ihr mal ohne Kinder unterwegs seid – worauf habt ihr dann Lust?

Maren: Was wir an Berlin lieben, ist ähnlich wie beim Schlagwerk gerade die Vielfalt: Theater, Konzerte, Ausstellungen, Restaurants – kulturell und kulinarisch gibt es hier auf unglaublich hohem Niveau so viele unterschiedliche Richtungen. Wir haben keine festen Lieblingsadressen, sondern mögen gerade, dass es in Berlin ständig etwas zu entdecken gibt.

Aktuelle Infos zu Schlagwerk Voermans und ihren Projekten gibt es auf ihrem Instagram Account, in ihrem Newsletter, den SCHLAGZEILEN: schlagwerkvoermans.de/newsletter

Und ihren YouTube-Kanal findet ihr hier: youtube.com

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