© Claudia Steigleder

Skifahren in Obertauern: Drei Tage Seelebaumeln und Neuschnee pur

Ob drei Tage Skifahren in Obertauern wirklich ausreichen, um die Seele baumeln zu lassen? Unsere Autorin hat es mit Freundin und drei Kindern im Schlepp getestet.

Wo sind noch mal die Schneestulpen und die Skihandschuhe? Ganz sicher im Schrank. Ganz sicher in der Stofftasche. Und wenn nicht da, dann im Keller. Fehlanzeige. Der Puls steigt. In 12 Stunden wollen wir los: Zwei Frauen und drei Kinder nach Obertauern zum Skifahren. Und wie immer war viel los vor den Ferien. Bis zur letzten Minute gearbeitet. Deshalb auch die blöde Suche. Auf den letzten Drücker, stundenlang, panisch – erfolglos! Dann eben ohne Schneestulpen und Skihandschuhe. Immerhin haben wir passende Skihosen zusammen geliehen und die Winterjacken tun es auch. Gestresst geht es los.

„Ob sich der ganze Aufwand für drei Tage Skifahren wirklich lohnt?“

Doch schon am Hauptbahnhof stellt sich gute Laune ein. Noemi, Nelson und Marlon freuen sich einfach zu sehr auf den Schnee, auf Skifahren, auf die Reise nach Österreich, nach Obertauern im Salzburger Land. Achteinhalb Stunden sitzen wir im Zug, lachen, lesen, spielen, reden – darüber, wie Obertauern wohl sein wird? Ob genug Schnee liegt? Das Hotel schön ist? Wie das mit der Skischule wohl klappt – zumal Noemi und Nelson erst einmal im Leben Skifahren waren, und Marlon aber schon eine echte Pistensau ist. Ob sie da zu dritt in einen Kurs kommen?Und dann sind wir endlich da: im Ski-Traumland. Schon am Bahnhof liegt wunderbarer Neuschnee. Und unterm leuchtenden Sternenhimmel, bei kristallklarer Abendluft, durchfahren wir die Berge, erklimmen die letzten Kilometer im Taxi. Obertauern steht da – in großen Lettern, selbstbewusst. Die großen Häuser drücken sich an die schneebedeckten Berge, alles Hotels, mit lustigen Namen, Almblick, Rigele, Tauernglöckl, Bingill…

Der Blick aus unserem Hotelzimmer © Claudia Steigleder

Unseres ist das Hotel Das Barbara. Ein neu gemachtes mehrstöckiges Haus, mit vielen Fenstern und Erkern – direkt an der Piste. (Wie absolut toll das ist, wissen wir spätestens am nächsten Tag zu schätzen. Und da lernen wir auch, dass hier fast alle Hotels direkt an der Piste liegen.) Die Chefin empfängt uns persönlich, führt uns rum und sorgt dafür, dass wir ausgehungerten Berliner noch ein tolles Abendessen im hauseigenen Restaurant bekommen. Spätestens jetzt ist die hektische vorabendliche Suche vergessen. Wer braucht schon Stulpen, wenn er ein SPA und einen Fitnessclub im Hotel hat?

„Das wahre Glück wohnt in den Bergen. Besser gesagt: in Obertauern.“

Aber das wahre Glück wohnt in den Bergen. Besser gesagt: in Obertauern. Denn am nächsten Morgen werden wir von der Sonne geweckt. Unter strahlendblauem Himmel entfaltet der Ort seine ganze Pracht: Pisten, wohin man auch schaut. Schon der erste Blick aus dem Fenster verrät: hier wird jeder glücklich, die Anfänger, die Fortgeschrittenen und die Profis. Hundert Pistenkilometer insgesamt sind es – mit einer Schneesicherheit von November bis Mai. Die wollen wir jetzt entdecken.

Hundert Pistenkilometer in blau, rot und schwarz – ein Traum für Anfänger bis Profi ©Claudia Steigleder

Nach einem köstlichen Frühstück geht es los, zum Skiverleih SPORT CIRCLE. Wir werden vermessen und sogar gewogen (kreisch!), aber Skier, Helme und Brillen sind schnell gefunden. Und zwar ruck zuck, qualitativ perfekt, super freundlich und professionell. Nach nur 20 Minuten sind Marlon, Nelson und Noemi startklar für die Skischule Koch gleich nebenan. Ein super Start. Wir Mütter sind schon jetzt glücklich. Tatsächlich sind hier alle auffallend nett, lachen viel, sind unkompliziert und vermitteln so von der ersten Sekunde an: Ihr seid im Urlaub! Entspannt Euch! Habt Spaß! Und den haben wir.

Nach drei Stunden mit Skilehrer Jasper ist aller Groll vergessen und die Kurven sitzen. Besser kann eine Skischule nicht sein.

Nelson und Marlon werden zu den Fortgeschrittenen in eine Gruppe gesteckt, und Noemi in die „Baby“-Gruppe – was zwar kurz zu Unstimmigkeiten bei ihr führt, aber von den sympathischen Skilehrern Laura und Jasper von der Skischule Koch sofort wettgemacht wird. Denn, so die beiden: Skifahren macht erst Spaß, wenn man weiß, wie man bremst.

© Claudia Steigleder

Und dazu muss man Schneeflug können. Das aber gehe schnell, versprechen sie. Und morgen schon würde es dann richtig losgehen, mit Sessellift und blauer Piste. (Und sie halten ihr Versprechen!) Noemi übt wie verrückt, fühlt sich pudelwohl und genießt es umso mehr, als später auch noch ihr Bruder zu den „Babys“ kommt: Nelson muss besser lernen, um die Kurve zu kommen. Denn die Skilehrerin von der Gruppe der Fortgeschrittenen weiß: wer am ersten Tag gefrustet ist, geht am zweiten Tag nicht wieder los. Und so blöd Nelson das anfangs findet, sie hat Recht. Nach drei Stunden mit Skilehrer Jasper ist aller Groll vergessen und die Kurven sitzen. Besser kann eine Skischule nicht sein.

„Und je höher wir wandern, umso berauschender ist der Blick auf dieses Gebirge. Unbeschreiblich malerisch schön.“

Nachdem die drei Kinder versorgt sind, sind wir Mütter kinderlos – und so nett wie hier alle sind, auch ganz ohne schlechtes Gewissen. Dafür mit großen Ambitionen: zur Kringsalm wollen wir wandern. Rauf auf 1802 Meter, an den Pisten entlang, durch den frischen Pulver-Schnee, kommen wir so diesen wunderbaren Bergen noch näher. Und je höher wir wandern, umso berauschender ist der Blick auf dieses Gebirge. Unbeschreiblich malerisch schön. Ins tiefe Himmelblau getunkt, bei strahlender Sonne, bleiben wir alle paar Meter stehen, machen Fotos und fühlen uns dem Himmel gleich noch näher. Nach gut eineinhalb Stunden Fußmarsch sind wir oben. Köstlich. So muss Urlaub sein! Wir sind noch nicht mal 12 Stunden hier und wollen schon jetzt nie mehr weg!

Strahlender Sonnenschein auf der Kringsalm © Claudia Steigleder

Damit das auch so bleibt, haben wir uns ein klasse Programm zusammenstellen lassen: Nach dem Abstieg locken uns Kaiserschmarren und heiße Schokolade in die Talstation. Durch die großen Fenster lacht uns die Sonne an, während wir uns in die gemütlichen Sessel kuscheln und schlemmen. Wir müssen schließlich gerüstet sein, denn als die Kinder nachmittags glücklich vom Skifahren zurück sind, geht es weiter zum Rodeln auf der Gnadenalm: 1,5 Kilometer bergab, im Dunkeln, aber mit Beleuchtung. Ein grandioser Spaß.

„Schlittenfahren at it’s best. Wir lachen, schreien, sind glücklich.“

Der schon mit der Fahrt mit dem Skidoo Rodeltaxi beginnt, einer Art Motorrad auf Schienen. Mit dem geht es schnell und bequem bergauf.

Mit dem Skidoo rauf zum Rodeln! Kein Schlittenziehen! ©Claudia Steigleder

Schlittenfahren at it‘s best. Kein lästiges Schlitten-Raufziehen, was will man mehr. Drei Mal fahren wir rauf, drei Mal runter. Rasend schnell. Wir lachen, schreien, sind glücklich. Am Ende haben wir so viel gelacht, dass wir völlig erschöpft und hungrig im Restaurant Gnadenalm einfallen. Die Gnadenalm ist ein nostalgisch schöner Hof, der mit der historischen, erhaltenen Küche von vergangenen Zeiten erzählt und von den Mühen, die das Leben früher mit sich brachte. Einen krasseren Kontrast zu unserem Rodelspaß kann es kaum geben. Vielleicht fühlen wir uns deshalb noch mal doppelt so froh. Nach einem leckeren Abendessen fallen wir jedenfalls erfüllt und mit roten Wangen todmüde in unsere Betten. Was für ein schöner, voller Tag.

Nächtliche Schlittenfahrt in rasendem Tempo ©Claudia Steigleder

Weil Tag eins so vollkommen war, können wir kaum glauben, dass es noch besser werden kann. Wird es aber. Die Kinder stürmen den Berg, haben an einem Tag schon so viel dazugelernt, dass sie nichts mehr schreckt, außerdem gibt es ja die Skischule Koch. Auch Kim und ich schnallen heute die Skier an. Langlauf steht auf unserem Programm. Begleitet von unserem Skilehrer lernen wir schnell die nötigen Dinge: gleiten und bremsen.

Schon bald fühlen wir uns wie Profis, gleiten durch die Landschaft, vorbei an verschneiten Tannenbäumen. Märchenhaft. Die Hundsfeldloipe ist mit ihren gerade mal sechs Kilometern Länge für uns Einsteigerinnen genau richtig und sie führt uns noch dazu quer durch das Naturschutzgebiet des Hundsfeldmoores. Im Sommer sollen hier 180 Schmetterlings und an die 40 Vogelarten leben, aber auch jetzt im Schnee verzaubert uns die Gegend.

„Abends keine Muskelgruppe, die nicht wohlig schmerzt. Im Whirlpool unter Sternen fühlen wir uns nicht nur wie Sportköniginnen…“

Dass wir aber doch Anfänger sind, auch wenn der nette Skilehrer uns ständig was anderes sagt, merken wir abends: keine Muskelgruppe, die nicht wohlig schmerzt. Gut, dass es in unserem Hotel einen Whirlpool im Außenbereich gibt. Im heißen Wasser unter Sternen fühlen wir uns nicht nur wie Sportköniginnen. Besser kann das Leben nicht sein. Hammer. Zumal wir zuvor im Ferdinando einen leckeren Salat mit Hähnchen verdrückt haben und jetzt am Abend im Hotelrestaurant M3 ein Tisch auf uns wartet. Skifahrer müssen schließlich essen, klar. Wir fünf stürzen uns auf die Germknödel, als hätten wir den ganzen Tag nichts gegessen. Abgesehen vom umfangreichen Frühstück am Büffet, dem riesigen Salat mit Hähnchen, der Buscetta, die Pizza, das Eis, plus der zahlreichen kleinen Snacks bei den Kindern, stimmt das ja auch. (Mama, ich durfte essen so viel ich wollte, freut sich der Junge noch am Abend!)

„Tag drei und wir sind Profis. Wahnsinn, wie schnell das ging. Die Skischule hat sich total gelohnt.“

Tag drei und wir sind Profis. Heute geht es mit den Kindern auf die Piste, Abfahrtlauf für alle. Ein großer Spaß, denn alle drei Kinder sind super fit geworden. Jeder hat auf seinem Niveau dazugelernt.

Skihasen

Wahnsinn, wie schnell das ging. Zweieinhalb Tage Skischule und sie alle kommen die Berge anständig runter. Angstfrei. Die Skischule hat sich total gelohnt. Jetzt fahren die drei mit mir und das geht problemlos. Egal ob Sonnenlift, Edelweiß oder Anger. Jede Piste ist ein Genuss und wenn Marlon mag, liegt immer auch noch eine rote neben einer blauen, auf der ich mit Noemi und Nelson bleibe. Es ist eine Freude, den Kindern zuzusehen. So gutgelaunt, so entspannt, so bei der Sache – toll!

„Himmlisch entspannt, liegen wir auf Kuscheldecken und beobachten die Schneeraupen beim Winterdienst. Ihr leises Brummen lullt uns behaglich ein. Wir wollen hier nicht mehr weg.“

Das gilt auch für den Schnee. Wir haben absolutes Superglück! Keine Piste ist vereist, immer ist es perfekt. Wir sind im Skifahrerhimmel. Ganz klar. Je länger wir fahren, umso wohler fühlen wir uns. An die Abreise am nächsten Tag mag niemand denken – auch deshalb machen wir keine Pause.

Schnell raus aus aus den Skischuhen und ab in den Whirlpool.

Fahren immer wieder neu rauf, genießen die Luft, die Bewegung und die Umgebung. Erst als der letzte Lift schließt, um 16.30 Uhr, fahren wir ab: Direkt vor unser Hotel. Luxus pur!

Skier ab, rein in den Skikeller, raus aus den Klamotten, schnell noch ins SPA. Auch die Kinder sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen: Die zwei Saunen, der Whirlpool und das Dampfbad sind einfach zu cool, um ungenutzt zu bleiben. Himmlisch entspannt, liegen wir auf Kuscheldecken und beobachten die Schneeraupen beim Winterdienst. Ihr leises Brummen lullt uns behaglich ein. Wir wollen hier nicht mehr weg.

Ganz klar, Obertauern hat uns gefangen genommen – mit seinen tollen Bergen, den Pisten, seinen freundlichen Menschen, seinem köstlichen Essen und dem gemütlichen Hotel.

Für den letzten Abend haben wir uns einen Tisch im „Freiwild“ gebucht. Es ist der krönende Abschluss zu einem königlichen Urlaub: wir schlemmen uns durch Ziegenfrischkäsesalat, Tafelspitz, Gemüsecurry, Tagliatelle, Freiwild-Burger und Tiramisu. Einfach lecker! Aber das sind wir mittlerweile schon gewohnt. Trunken vor Glück laufen wir zum Hotel und merken plötzlich: Vor lauter Spaß haben wir prompt vergessen, unsere Ski-Ausrüstung zurückzugegen. Passt irgendwie. Fing der Urlaub noch mit der verzweifelten Suche danach an, endet er jetzt mit einer verpassten Rückgabe. Aber anders als vor drei Tagen bin ich null gestresst. Keine Hektik. Wird schon alles gut. Genauso ist es. „Kein Problem“, heißt es dann auch, „ihr seid doch im Urlaub“. Stimmt. Sind wir und wir kommen wieder. Besser als hier kann man nicht Seelebaumeln – und Skifahren sowieso!

Wir kommen wieder! Bam! © Claudia Steigleder

 

Wir danken dem Hotel „Das Barbara“ für die Unterstützung dieser tollen Reise!

 

Und wenn ihr jetzt reisehungrig geworden seid: noch mehr Reiseberichte aus den Bergen findet ihr zum Beispiel bei unserem Reisetipp von Good Travel „Alm-Urlaub mit der ganzen Familie“.

Unsere Top-Adressen in Obertauern:

Hotel Das Barbara. Garantiert familienfreundlich, üppiges Frühstücksbuffett, tolles Spa, großartiger Service, köstlichstes Essen im M3, direkt an Piste und Loipe – und sooo bequeme Betten! Hach, wir könnten noch ewig schwärmen.

Skiverleih SPORT CIRCLE. Die Beratung zuvorkommend, kompetent und fröhlich, das Leih-Material topp!

Skischule Koch. Absolut hinreißende Skilehrer. Gute Laune, Geduld und Können. Alle Kinder jederzeit in besten Händen – und glücklich!

Die Gnadenalm. Beleuchtetes Nacht-Rodeln auf der ewig langen Rodelbahn, Hüttengaudi und Alm-Leben: herrlich!

Restaurant Freiwild: hervorragende Qualität, freundlicher Service.

Weitere Adressen und Infos zu Obertauern findet ihr hier.