© Annik Wetter

Top 10: Must-See-Ausstellungen 2019

Auch Eltern sollten sich hin und wieder von der Kunst berauschen lassen. Die Kinder sind bei den Großeltern oder auf einem Kindergeburtstag, dann nutzt die Gelegenheit und besucht eine der vielen Ausstellungen in der Hauptstadt. Hier kommen die Top 10 von unseren QIEZ-Experten.

Bauhaus (100 Jahre), Fontane (200 Jahre) und Rembrandt (350 Jahre): An ihnen führt 2019 kein Weg vorbei. Doch neben den Jubilaren haben die Berliner Kunsttempel noch viel mehr Sehenswertes im Programm. Hier sind die Highlights des Jahres:

 

1 / Helen Marten: Fixed Sky Situation

12.01.-24.02.2019, König Galerie: Alexandrinenstr. 118-121, 10969 Berlin-Kreuzberg, koeniggalerie.com

Kunst von Helen Marten // HIMBEER
Eingebaute Alltagsgegenstände in der Kunst der Britin Helen Martin. © Annik Wetter

Los geht das Kunstjahr in Berlin kraftvoll mit Helen Marten. Die junge Britin, die 2016 den renommierten Turner-Preisgewann, stellt mit ihren Collagen, Malereien und Skulpturen mal wieder erfolgreich unsere materielle Welt in Frage.

Ihre Faszination für Alltagsgegenstände ist ungebrochen und so bringen uns auch ihre neuen Werke dazu, Dinge und Zusammenhänge komplexer zu begreifen. Sie entschlüsselt uns Geheimnisse, von denen wir nicht einmal ahnten, dass es sie gibt. Demnächst soll übrigens auch Helen Martens erster Roman erscheinen, der schon jetzt auf deine Must-Read-Liste gehört.

 

2 / Picasso. Das späte Werk

09.03.-16.06.2019, Museum Barberini: Humboldtstr. 5-6, 14467 Potsdam, museum-barberini.com

Pablo Picasso ist allgegenwärtig. Der fleißige Jahrhundertmaler hat Werke für unzählige Sammlungen und Ausstellungen hinterlassen und zahlreiche Künstler der Moderne und der Gegenwart beeinflusst. Doch wenn du glaubst, du hast aufgrund seiner Dauerpräsenz schon alles gesehen, dann irrst du.

Mit der Ausstellung im Museum Barberini zeigt sich, dass Picasso auch im Alter noch innovativ war. Die feine Auswahl aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens beeindruckt und bringt dich sicher zu Picassos Schluss: „Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen.“

 

3 / And Berlin will always need you

22.03.-16.06.2019, Martin-Gropius-Bau: Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin-Mitte, berlinerfestspiele.de

Berlin ist ein Mekka für Künstler, die sich von unserer vielseitigen Superstadt inspirieren lassen wollen. Doch was für Kunst entsteht denn hier eigentlich? Und wie kommt man zu einer Ausstellung in der Hauptstadt? Die Gruppenausstellung im Martin Gropius-Bau bringt uns zwanzig in Berlin lebende Künstler näher, die uns neue Installationen und Arbeiten zum Thema Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin zeigen.

Mit dabei sind unter anderem Nevin Aladağ, Alice Creischer und Andreas Siekmann, Haris Epaminonda, Olaf Holzapfel, Dorothy Iannone und Willem de Rooij. Die Ausstellung wird mit Sicherheit facettenreich… eben: so wie Berlin selbst.

 

4 / Beyond

10.04.-18.08.2019, me Collectors Room: Auguststr. 68, 10117 Berlin-Mitte, me-berlin.com

Was kommt nach dem Tod? Die Frage beschäftigt die Menschheit seit jeher und egal, ob du an das Paradies glaubst, die ewige Verdammnis oder das große Nichts: Beyond wird deine Gedanken über das Jenseits verändern. Sieben internationale Künstler aus der Olbricht Collection bringen uns mit ihren Malereien, Skulpturen, Videos und Installationen das Geheimnis näher.

Dabei hat jeder eine sehr eigene Sicht auf das Danach. Mit dabei: Jonas Burgert, Jake and Dinos Chapman, George Condo, Nathalie Djurberg & Hans Berg, FORT, Kris Martin und Francisco de Goya. Keine Sorge, der Ausstellungsbesuch wird dich nicht in Depressionen stürzen, sondern dein Leben bereichern.

 

5 / Emil Nolde. Eine deutsche Legende

12.04.-15.09.2019, Hamburger Bahnhof: Invalidenstr. 50-51, 10557 Berlin-Mitte, smb.museum

 

Als expressionistischer Maler passte Emil Nolde nicht ins Bild der Nationalsozialisten, auch wenn er sich durch seinen Antisemitismus und seine Mitgliedschaft in der NSDAP Goebbels und Co mehrfach empfahl. 1937 wurden einige seiner Werke der entarteten Kunst zugeordnet, was Noldes Begeisterung für die Ideen des Nationalsozialismus anscheinend keinen Abbruch tat.

Im Hamburger Bahnhof wird Noldes Kunst erstmals in den historischen Kontext seiner Biografie und Ideologie gebracht. Ein spannender Ansatz, diesen bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts zu betrachten …

 

6 / Xiyao Wang

26.04.-22.06.2019, Soy Capitán: Prinzessinnenstr. 29, 10969 Berlin-Kreuzberg, soycapitan.de

Frei nach dem Motto „es müssen nicht immer große Namen sein, die interessante Kunst bieten“ empfehlen wir euch die kleine aktuelle Werkschau von Xiyao Wang. Die chinesische Künstlerin, die nach ihrem Studium an der Hamburger Hochschule für bildende Künste ans Purchase College in New York wechselte, beeindruckt durch Intensität und Farbkraft ihrer expressionistischen Werke.

Trotz der Leichtigkeit, die viele ihrer Werke vermitteln, regen sie zum Nachdenken an. Es scheint, als hätte sich Xiyao Wang den kindlichen Blick auf die Welt bewahrt und eine klare Sprache gefunden, die Feinheiten dieser besonderen Wahrnehmung in Farben und Formen zu fassen. Aufmerksam gemacht auf die Künstlerin hat uns übrigens Lars Eidinger, der Wangs Fly, fly No.4 per Instagram verbreitete.

 

7 / Gustav Caillebotte. Der malende Mäzen der Impressionisten

17.05.-15.09.2019, Alte Nationalgalerie, Bodestr. 13, 10178 Berlin-Mitte, smb.museum

Selten können (junge) Künstler von ihren Werken leben. Gustav Caillebotte war eine Ausnahme. Mit 25 Jahren trat er das Erbe seines wohlhabenden Vaters an und konnte so nicht nur finanziell unabhängig seiner Kunst nachgehen: Er wurde zu einem der wichtigsten Sammler seiner Zeit. Seine Begegnungen mit Edgar Degas, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir weckten seine Faszination für den Impressionismus.

Er finanzierte Ausstellungen, kaufte Werke und übernahm schließlich selbst den Malstil. Sein bekanntestes Werk Straße in Paris, Regenwetter war aufgrund seiner imposanten Größe selten in Europa zu sehen. In der Alten Nationalgalerie wird es nicht fehlen. Die fast lebensgroßen Figuren werden auch euch in ihren Bann ziehen.

 

8 / Original Bauhaus. Die Jubiläumsausstellung

6.09.2019-21.01.2020, Berlinische Galerie: Alte Jakobstr. 124-128, 10969 Berlin-Kreuzberg, berlinischegalerie.de

Stahlrohrsessel von Breuer // HIMBEER
Sitzende mit Bühnenmaske von Oskar Schlemmer im Stahlrohrsessel von Marcel Breuer, Bauhaus-Archiv Berlin, © Dr. Stephan Consemüller

Bauhaus ist eine Weltmarke. Unzählige Gebrauchsgegenstände, Möbel, Häuser und Objekte werden dem Bauhaus zugeordnet. Dabei gab es die berühmte Kunstschule nur 14 Jahre lang, die Ideen verbreiten sich aber seit 100 Jahren erfolgreich weiter.

Zum Jubiläum, dem wir alsbald einen ganzen Artikel widmen werden, präsentieren uns das Bauhaus Archiv/ Museum für Gestaltung und die Berlinische Galerie 14 Objekte mit ihren Fallgeschichten. Die kleine Auswahl macht bewusst, wie genial die Entwürfe waren und wie viel Einfluss das Bauhaus auf das Design der Gegenwart hat.

 

9 / No Photos! 30 Jahre Clubkultur in Berlin

14.09.-01.12.2019: C/O Berlin: Hardenbergstr. 22-24, 10623 Berlin-Charlottenburg, co-berlin.org

Spätestens mit dem Fall der Mauer wurde Berlin zu der Metropole mit der wohl abwechslungsreichsten und kreativsten Clubszene. Alles, was leer stand und zum Kult taugte, wurde in einen Club, eine Bar oder auch zum Atelier umgestaltet. Die großen Namen wie Bunker, Tresor, WMF und andere stehen noch heute für einzigartige Partyreihen.

Die coole Tradition, die Mischung aus ungewöhnlichen Orten und innovativen Sounds, wird mit dem Berghain und anderen Szeneclubs fortgesetzt. Die Bilder von Sven Marquardt, Martin Eberle und Co bringen das Flair und den Hype bestens zur Geltung. Wer tagsüber die Ausstellung gesehen hat, sollte abends wiederkommen, wenn sich die Räume selbst in einen Club verwandeln. Hier werden DJ-Größen auflegen und gemeinsam mit Sound- und Visualkünstlern die Clubgeschichte erlebbar machen.

 

10 / Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie 1919

11.10.2019-26.01.2020, Alte Nationalgalerie: Bodestr. 13, 10178 Berlin-Mitte, smb.museum

Nachdem wir uns eingehend damit beschäftigt haben, ob wir einen Frauentag brauchen, werfen wir noch mal einen Blick zurück: Vor 100 Jahren durften Frauen erstmals ein Studium an der Berliner Kunstakademie beginnen. Der Öffentlichkeit blieben die Meisterwerke der Künstlerinnen dennoch meist verborgen. Sie wurden nicht gefördert und kein selbstverständlicher Teil der Kunstszene.

Die es dennoch mit ihren Werken in die Sammlung der Alten Nationalgalerie geschafft haben, sind nun Teil der Ausstellung Kampf um Sichtbarkeit. Darunter bekannte Namen wie Käthe Kollwitz und Elisabeth Ney, aber auch weniger prominente Künstlerinnen. Trotz der eindrucksvollen Werke hat sich noch nicht genug getan in den letzten 100 Jahren. Hoffen wir auf die nächsten 100 Jahre bis zur wahren Gleichberechtigung.

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