© Marina Marks

Baumhaushotel Gut Gollin

Übernachten im Baumhaus, was für ein Abenteuer. Marina Marks hat für ein Mama-Tochter-Wochenende das baumwipfelige Ausflugsvergnügen auf Gut Gollin gesucht – und entschleunigte Gemütlichkeit, vogelzwitschernde Erholung und morgendliche Frühstückskisten gefunden.

Ich habe drei Kinder und versuche, jedes Jahr jedem Kind ein besonderes Aufmerksamkeitswochenende mit mir allein zu schenken. Mit Luise bin ich diesen Sommer auf das Gut Gollin in der Uckermark gefahren. Nah genug für nur ein Wochenende – aber auch entfernt genug, um ein kleiner Abenteuerurlaub werden zu können.

Und ein Abenteuer wurde es. Denn der Gutshof ist ein Baumhaushotel. Neben mehreren Ferienwohnungen gibt es eben auch vier Baumhäuser mit den urigen Namen „Entenstrich“, „Hexenhaus“, „Jagdhütte“ und „Waldgeflüster“.

Wir zwei Ladies haben uns natürlich das „Hexenhaus“ ausgesucht, das allein und versteckt in einem kleinen Wäldchen beim Gutshof liegt. Gleich nach unserer Ankunft haben wir von den unfassbar freundlichen Gastgebern einen kleinen Bollerwagen bekommen, mit dem wir aufgeregt zum Baumhaus losgezogen sind. Wie zwei, die auszogen, um das Fürchten zu lernen. Aber zum Fürchten gab es nichts. Gar nichts.

Inneneinrichtung gemuetlich uebernachten im Baumhaus
Gemütlich und sogar mit Strom – dazu dieser Rundumblick ins vogelzwitschernde Grün © Marina Marks

Herrliche Aussichten: Wald, Wiese, Abenteuer

Luise ist als erstes die Treppe zu unserem Feriendomizil hochgekraxelt, ich neugierig hinterher. Würde man von einem Baumhaus nicht Ischias und Bandscheibe und alles andere noch kriegen? Aber unser Baumhaus war so gemütlich wie eine kleine Almhütte eingerichtet.

Bequeme Betten, einen kleinen Tisch zum Essen und malen, eine kleine Anrichte mit Geschirr und Wasserkocher – ja, selbst mit Strom waren wir versorgt. Und – nicht zu vergessen – von der Terrasse aus gelangte man zu einer kleinen Biotoilette. (Nichts also mit nächtlichem Runterkraxeln vom Baumhaus, um sich, mit einem Stock gegen die wilden Wölfe oder vielleicht auch nur neugierige Marder bewehrt, zu erleichtern).

Toilette im Baumhaus // HIMBEER
Hirschgeweih und Biotoilette – glücklicherweise muss man nicht weit kraxeln zur Erleichterung © Marina Marks

Das allerbeste aber war diese herrliche Aussicht auf eine große Wiese, zusammen mit dem leise beruhigenden Rauschen der Baumwipfel und das unbekümmerte Gezwitscher der vielen Vögel rund um uns herum.

Glücklich in der Störche-Fütter-Einflugsschneise

Wie aufmerksam, dass in unserem Baumhaus schon ein Fernglas für uns bereitlag, um die Vögel auch aus der Nähe beobachten zu können. (Daran hätte ich Städterin gar nicht gedacht. Das nächste Mal bringen wir unbedingt ein Vogel-Bestimmungs-Buch mit!). Was für eine Freude es macht, diesen – zumindest in meinem Leben – doch eher unbeachteten Federtieren einmal zuzusehen, sie überhaupt einmal erst zu entdecken. Am liebsten mochten wir das Storchenpaar, das seine Nest-Futter-Nest-Route offenbar direkt über unserem Dach hatte. Unablässig brachten sie ihren drei gierigen Storchenkindern Frösche vorbei.

Als die Sonne unterging, entdeckten Luise und ich unser liebstes Ausflugsritual überhaupt: gemeinsam auf unserer hoch thronenden Terrasse Zähneputzen und das Zahnputzwasser im Wettspuck nach unten spucken. Wer trifft den Huflattich? Und wer kommt weiter als der eine Stein, der wie ein Hutzelmännchen aussieht? Wie so ein kleines Das-macht-man-eigentlich-nicht-Spiel doch zusammenschweißen kann. Wir waren so guter Dinge, Luise und ich.

Zaehneputzen auf der Baumhausterrasse
Abendliches Zähneputzwasserweitspucken auf der Baumhausterrasse © Marina Marks

Nach unserer Knobelrunde sind wir in die flauschigen Betten gekrochen, hatten die Fenster geöffnet, um Waldduft und Holz und Harz zu riechen, und sind zum Nachtkrabbeln der Waldtiere glücklich eingeschlummert.

Vogeluhr und Frühstücksservice

Am nächsten Morgen stand eine Holzkiste wie ein freundlicher Gruß am Fuße unserer Behausung. Darin: unser Frühstück. Frische Brötchen, warme Milch, Aufschnitt, Müsli, verschiedene köstliche Marmeladen und frisch gekochte Eier von den hofeigenen Hühnern. Was für ein Genuss! Wie Freubeuter fühlten wir uns, wie Huckleberry Finns. Oder wie früher, wenn Mama vor die Spielhütte unverhofft und im genau richigen Moment ein paar Brote zur Stärkung gestellt hatte …

Kind fuettert Ziegen an Zaun // HIMBEER
Unzählige Ziegen, die gefüttert und gestreichelt werden MÜSSEN! © Marina Marks

Danach haben wir uns die Umgebung erschlossen – und sind nicht sonderlich weit gekommen. Denn es waren so viele Ziegen überall, die gefüttert und gestreichelt werden mussten! Und dann lag da direkt hinter den Gattern: der Pool. Mehr brauchten wir nicht. Luise hat vor sich hingeplanscht, gespielt, gebadet, während ich in aller Ruhe mit meinem Liegestuhl dem kühlen Schatten hinterhergewandert bin und meinen Roman zu Ende gelesen habe. Was für eine Ungestörtheit! Was für eine Ruhe!

Am nächsten Tag sind wir nach Templin gefahren, haben die Therme besucht und waren in der Altstadt Eis essen – aber dann zog es uns auch schon wieder in unsere waldliche Zweisamkeit. Fenster auf, Arme auf: Wald, Baumhaus und Zufriedenheit, hier sind wir!

Kind faehrt auf Kettcar // HIMBEER
Auf dem Kettcar die Umgebung erkunden © Marina Marks

Text und Fotos: Marina Marks

Marina ist übrigens auch ein großes Backgenie und hat uns letztes Jahr ihre großartigen Keksrezepte verraten – Rezept für Omas Heidesand und Lemoncurdterrassen

Erlebnisbauernhof Gut Gollin
Susanne Wurth
Gut Gollin 1
17268 Templin
www.gut-gollin.de